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Bauvorhaben in der Kritik

Friday, 06 June 2008 20:37

Nach zahlreichen Anfragen besorgter Bürger beim VVV stellen wir wieder einmal fest, dass mit Stadtplanung und Architektur im Stadtbezirk 4 einiges im Argen liegt.
Anhand einer Reihe von Beispielen wollen wir die Probleme deutlich machen.
Umnutzungen und Neubauten der letzten Jahre sprengen zunehmend den Baulichen Maßstab der die Linksrheinischen Stadteile so anziehend macht und den Bürgern die Identifikation mit dem Wohnumfeld ermöglicht.
Bereits bei der Feldmühlebebauung und der Planung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs hat der VVV eine sensiblere Planung gefordert. Mögen Projekte wie der Karlshof auf der Lankerstr. und der Sophienhof auf der Quirimstr. durch ihre historisierenden Fassaden dem unkritische Betrachter noch ihr übertriebenes Bauvolumen verschleiern, sie sind auch dafür verantwortlich das sich der Stadtteil in eine kritische Richtung entwickelt.


Neue, alarmierende Bauvorhaben zeigen auf das es keine adäquate Vertretung der Interessen der Bürger für die Städtebaulichen Interessen gibt.

Mönchenwerther Str. 17

   moenchenwert

Das Wohnhaus am Park überragt um mehr als ein Geschoss die gesamte Umgebung.

Eine besonders große Geschosshöhe und ein Staffelgeschoss lassen den Baukörper

dominant wirken und sind Vorgabe für die nächsten Bauten.

Wohnhaus Salierstr. 37

Salier Strasse

Im April 2005 schrieb die Stadt Düsseldorf für die Bebauung dieses Grundstücks einen Investorenwettbewerb aus. Der Text der Ausschreibung und damit die Vorgabe für die Planung geht ausführlich auf die sensible städtebauliche Situation ein. Hier einige Zitate:
„Die Bebauung südlich und westlich des Grundstücks ist geprägt durch die kleinteilige, dörfliche Struktur des historischen Siedlungskerns entlang der Oberkasseler Straße. Das Grundstück liegt innerhalb des Satzungsgebiets des Denkmalbereichs Oberkassel."
„Das Umfeld ist geprägt durch die überwiegend ein- bis zweigeschossige, kleinteilige und historische Bebauung."
„Es handelt sich hierbei um die Überreste dieser dörflichen Struktur, auf die mit einer ergänzenden Architektur geantwortet werden muss. Reine Flachdachkonstruktionen würden sich aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten weniger einfügen."
Im Oktober 2005 tagte das Preisgericht. Es bestand aus:
- Dr. Bonin, damals Referent des Oberbürgermeisters
- Richard Erben, Leiter des Planungsamtes
- G.R. Willms, Leiter des Amtes für Immobilienmanagement
Den Zuschlag erhielt der Entwurf „La Joya" des Büros Toepel, und es entstand ein für den Standort maßstabsloses Bauwerk mit Flachdach, das jeden Bezug auf die umgebende Bebauung vermissen lässt. Man sollte meinen, dass die Preisrichter die Ausschreibung des Wettbewerbs nicht gelesen hatten, denn alle Vorgaben daraus wurden bedenkenlos über Bord geworfen..
Am 29. März 2006 nahm die Bezirksvertretung 4 mit Bedauern zur Kenntnis, dass sie nicht in das Wettbewerbsverfahren einbezogen worden war.

Neubau Kindertagesstätte Wettiner Str. 6

Wettiner Str. 6

Am 5. Dezember 2007 verabschiedete die Bezirksvertretung 4 einstimmig die Bauvoranfrage zur Errichtung einer 3 -geschossigen Kindertagesstätte mit Familienzentrum und 4 Maisonette-Wohnungen einschließlich der dafür erforderlichen Befreiungen vom geltenden Baurecht. Laut Beschlussvorlage „befindet sich das Grundstück Wettiner Str. 6 im Geltungsbereich des rechtsverbindlichen Bebauungsplanes Nr. 5277/67, der das Gebiet als Baugrundstück für den Gemeindebedarf -evangelisches Gemeindezentrum- ausweist und eine 1 -Geschossigkeit sowie eine durch Baugrenzen festgelegte überbaubare Grundstücksfläche festsetzt."
Derselbe Bebauungsplan weist das danebenliegende Grundstück entlang der Arnulfstraße -ebenfalls im Besitz der Kirchengemeinde- als allgemeines Wohngebiet mit 4 -geschossiger Bebauung aus. Hier entstanden nach 1974 mit Hilfe des Investors GFR 25 Dienstwohnungen, eine Altentagesstätte und Büroräume für den Investor.
Ein Teil dieser Anlage in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kindergarten wurde in den letzten Jahren in Form von Eigentumswohnungen veräußert. Hierzu wurde das Gelände parzelliert, und zwar merkwürdigerweise so, dass der Grenzabstand zum 4 -geschossigen Wohnhaus nur 1m betrug, zum 1 -geschossigen Kindergarten aber 5m. Eine nach Baurecht unbedingt erforderliche Abstandsfläche auf dem Nachbargrundstück wurde nicht eingetragen.
Dieses Versäumnis kommt der Planung der neuen Kindertagesstätte zugute: In der Bauvoranfrage beruft sich der Architekt darauf, dass bei einem Grenzabstand von 5m ein 3-geschossiges Gebäude zulässig sei. Dies wurde von der genehmigenden Behörde wohl auch so gesehen und daher Befreiung erteilt von der Festsetzung einer 1-geschossigen Bebauung im rechtsverbindlichen Bebauungsplan. Bei dieser Gelegenheit wurden dann auch alle anderen Abweichungen sanktioniert: die Überschreitung der Baugrenze um 2m, die unzulässige Tiefgarageneinfahrt und die 4 Maisonette-Wohnungen.
Niemand kann erwarten, dass die Bezirksvertretung 4 bei ihrem einstimmigen Beschluss die Problematik dieser Befreiung erkennen konnte: Sie geschah, ohne die Rechte Dritter, nämlich der Grundstücksnachbarn, zu berücksichtigen. Deren Wohnsituation wird demnächst durch ein 3-geschossiges Bauwerk in wenigen Metern Abstand empfindlich beeinträchtigt.

Alt-Niederkassel 80/82

alt niedereckDie Zustimmung der BV4 zu der ihr von der Verwaltung vorgelegten Bauvoranfrage veranlasste den VVV zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde mit folgender Begründung:

Mit der geplanten Bebauung wird das Ortsbild von Niederkassel empfindlich beeinträchtigt. Weder die Baumasse noch das luxuriöse Erscheinungsbild entsprechen der Tradition des gewachsenen Dorfcharakters.

Durch den direkten Anbau an das Haus Alt - Niederkassel 78 wird die Abstandsfläche zum Nachbarn verletzt.

Die vorgesehene Bebauung widerspricht dem rechtsgültigen Bebauungsplan Nr. 5278/52 vom 20. Februar 1988. Für massive Überschreitung der im B - Plan vorgeschriebenen Geschosszahl, Traufhöhe, Firsthöhe, sowie der Baulinien und Baugrenzen besteht kein öffentliches Interesse. Sie kann allenfalls mit privaten Interessen des Bauherrn begründet werden.
Dass es sich bei der planenden Architektin um die Ehefrau des zuständigen Planungsdezernenten handelt, führt zwangsläufig zu einer Interessenkollision und wird in der betroffenen Öffentlichkeit als besonders dreist empfunden.

Strandbad Lörick/Paradieshafen
Noch eine Zukunftsaussicht: Nach neuester Ankündigung soll von Investoren das Löricker Strandbad überplant und im Bereich der alten Anlage 6.000 qm Wellnessbereich geschaffen werden. Mehr ist noch nicht bekannt.
strandbad.jpg

StrandbadFür Eingeweihte heißt der Ort am alten Rheinarm immer noch "Paradieshafen". Hier hat 1957 ein bedeutender Wiener Architekt Gebäude für ein Freischwimmbad errichtet. Gebäude, die zum Besten gehören, was die zeitgenössische Architektur zu bieten hatte, sensibel und behutsam in die so typische niederrheinische Landschaft gesetzt.

Die Gefahr, die nun erneut lauert, hat einen Vorläufer an gleicher Stelle: Die Technikzentrale neben dem Schwimmbecken wurde später ohne jegliches Einfühlungsvermögen für den Standort angebaut, zwar funktional, aber so billig wie möglich.
Die Umbauten durch die Biergärten sind eher geschmacklos aber wenigstens rückbaubar.

Heute fällt es schwer, Investoren für sensible, gute Architektur zu gewinnen. Deshalb ist das Ergebnis meist belanglos und im Normalfall raumfressend.
Wenn wir nicht aufpassen, wird am Paradieshafen ein schützenswertes Beispiel für Einklang zwischen Landschaft und Architektur vernichtet. Eine Renovierung und Koordinierung neuer Nutzung ist dringend notwendig, eine Wiederbelebung unverzichtbar und längst überfällig aber hier muss die Architektur mit der Landschaft entwickelt werden, ein offener Architektenwettbewerb mit Landschaftsarchitekten ist für uns ein sinnvoller Weg.


Die Beispiele habe wohl deutlich gemacht das die Bauaufgaben in den Stadtteilen ohne gewissenhafte Überprüfung nicht zu bewältigen sind. Die Politik ist mit solch sensiblen Aufgaben überfordert.

Was wir unter einer zukunftsweisenden Städteplanung verstehen, haben wir schon im Zusammenhang mit der Güterbahnhofsbebauung am Belsenplatz vorgestellt.

Was wir uns für den direkten Umgang mit den Projekten wünschen:

    - Ausführliche Vorstellung der Planung durch die Verwaltung vor Ort.
     z. B. Ausstellungen
    -Die Einbeziehung der Bürger in eine lebhafte Diskussion über die Projekte
    -qualifizierte Architekturkritik in der Presse und Bürgerbefragung
    -Die Einsetzung eines Gestaltungsbeirates der aus Fachleuten zusammengesetzt ist und eine Beratungsfunktion wahrnimmt.